Bitterstoffe im Alltag: 3 einfache Rezepte (Tinktur & Oxymel)
Bitterstoffe gehörten früher ganz selbstverständlich zu unserer Ernährung. Viele Wildpflanzen und Heilpflanzen enthalten natürliche Bitterstoffe, die wichtige Regulationsprozesse im Körper anregen können.
In der modernen Ernährung sind Bitterstoffe jedoch selten geworden, weil viele Kulturpflanzen gezielt „entbittert“ wurden. Dadurch fehlt unserem Körper ein Geschmack, der früher ganz selbstverständlich Teil unserer Nahrung war.
Dabei können Bitterstoffe viele positive Effekte haben – insbesondere auf Verdauung, Stoffwechsel und Regulation im Körper und wie neuste Forschungen auch zeigen auf die Haut.
Eine einfache Möglichkeit, Bitterstoffe wieder in den Alltag zu integrieren, sind selbst hergestellte Bitterzubereitungen wie Bittertinkturen oder Oxymel.
Bitterstoffe: Wirkung auf Verdauung, Stoffwechsel und Körper
Bitterstoffe lösen im Körper eine unmittelbare Reaktion aus. Sobald wir Bitterstoffe schmecken, werden über Bitterrezeptoren auf der Zunge verschiedene Verdauungsprozesse aktiviert.
Der Körper beginnt vermehrt Speichel – Magensaft und Verdauungsenzyme zu produzieren. Dadurch wird der Verdauungstrakt für die Aufnahme von Nahrung vorbereitet.
Bitterstoffe können darüber hinaus weitere wichtige Wirkungen im Körper entfalten.

Verdauungsfördernd
Bitterstoffe regen die Produktion von Verdauungssäften an und können dadurch eine träge Verdauung unterstützen.
Appetitregulierend
Sie können bei Appetitlosigkeit anregend wirken, gleichzeitig aber auch helfen, Heißhunger auf Süßes oder Fettiges zu reduzieren.
Anregung von Leber und Galle
Viele Bitterpflanzen fördern die Produktion von Gallenflüssigkeit und unterstützen damit die Fettverdauung.
Tonisierende Wirkung auf den Körper
Bitterstoffe können über das vegetative Nervensystem tonisierend auf die glatte Muskulatur wirken, zum Beispiel im Verdauungstrakt oder in Blutgefäßen.
Förderung der Durchblutung und Wärmebildung
Eine stärkere Durchblutung im Verdauungstrakt kann den Stoffwechsel aktivieren und zur Wärmebildung beitragen.
Unterstützung der Nährstoffaufnahme
Eine gut funktionierende Verdauung kann die Aufnahme bestimmter Nährstoffe verbessern, zum Beispiel von Eisen.
Unterstützung des Immunsystems
Da ein großer Teil unseres Immunsystems im Darm sitzt, kann eine gesunde Verdauung auch die Abwehrkräfte positiv beeinflussen.
Wirkungen auf Haut und Hautbarriere
Neuere Forschungen zeigen, dass Bitterstoffrezeptoren auch auf Hautzellen vorkommen. Bestimmte Bitterstoffe können deshalb entzündungshemmend wirken und die Hautbarriere unterstützen.
Tonisierende Wirkung auf Energie und Stimmung
Viele Menschen erleben Bitterstoffe als belebend und tonisierend, besonders bei Müdigkeit oder Erschöpfung.
Welche Bitterpflanzen stehen uns zur Verfügung?
Zu den bekannten und mehrheitlich einheimischen Bitterpflanzen gehören:
Wild- und Heilpflanzen
Löwenzahn
Enzian
Wermut
Schafgarbe
Beifuß
Tausendgüldenkraut
Wegwarte
Gelber Enzian
Hopfen
Engelwurz
Küchenkräuter
Rosmarin
Salbei
Ingwer
Bitterdroge
Pomeranzenschalen
Diese Pflanzen enthalten unterschiedliche Bitterstoffe und werden je nach Pflanze als Tee, Tinktur, Pulver oder Oxymel verwendet.

Bittere Rezepte für deine Hausapotheke
Löwenzahntinktur
Für 30 ml brauchst du:
- 12 g frische Löwenzahnwurzel (gut zerkleinert) im Frühling geerntet
- ca. 50 ml Trinksprit 70%
- 50 ml Auszugsgefäss (z. B. weithalsiges Apothekerglas oder Konfitürenglas*)
- Dunkle Aufbewahrungsflasche oder Pipettenflasche
Herstellung:
- Die gewaschene und fein geschnitten Löwenzahnwurzel in das Weithalsgefäss geben und mit dem Alkohol auffüllen.
- 2-4 Wochen unter täglichem Rühren oder Schütteln ziehen lassen
- dann über einen Kaffeefilter abfiltrieren und in eine dunkle Flasche abfüllen
- Haltbarkeit: 2-5 Jahre
Wichtig:
*wenn du ein Konfitüren Glas verwendest ist es wichtig das Ganze nicht zu Schütteln sondern nur Umzurühren, da sonst ungesunde Stoffe aus dem Deckel heraus gelöst werden können.
Tipp:
Der optimale Zeitpunkt für die Ernte von Löwenzahnwurzeln ist im Frühling, dann enthalten sie am meisten Bitterstoffe. Wie du auf dem Bild siehst, hat Löwenzahn hat er eine lange Pfahlwurzel, die bis 30 cm tief sein kann. Am besten mit einem Wurzelstecher einmal rund um die Wurzel den Boden lockern, erst dann vorsichtig herausziehen. Grobe Erde vor Ort entfernen, dann mit lauwarmen Wasser mit einer Bürste reinigen.
Anwendung:
Bei Bedarf 3 mal täglich 20 – 30 Tropfen in ein wenig Wasser verdünnt einnehmen.
Bitterstoff – Oxymel
Für ca. 200 g brauchst du:
- 100g Honig (am besten flüssig)
- 40 Apfelessig naturtrüb
- 50 g Wasser abgekocht
- 5 g Enzianwurzeln
- 5 g Pomeranzenschalen
- 5 g Ingwer (frisch, fein geschnitten)
- 250 ml Weithalsglas (Konfitürenglas)
- 50 ml Messbecher
- Sieb
- 200 ml Flasche (desinfiziert)
Herstellung
- die getrockneten Enzianwurzeln und Pomeranzenschalen im Cutter zerkleinern
- den frischen Ingwer schälen und klein schneiden
- 250 ml Weithalsglas und Messbecher entweder mit 70% Alkohol desinfizieren oder mit kochendem Wasser füllen und 5 Minuten stehen lassen.
- die getrockneten Pflanzenteile in das Weithalsglas geben und 50 ml heisses Wasser dazugeben. 5 Minuten zugedeckt stehen lassen.
- Honig und Essig dazugeben, verschliessen und schütteln
- Im Kühlschrank für ca. 2 Wochen ziehen lassen dabei täglich schütteln
- über ein feines Sieb abfiltrieren
- in eine desinfizierte 200 ml Flasche abfüllen
Haltbarkeit: dunkel und kühl aufbewahrt 6 Monate.
Anwendung: 1 Esslöffel pur oder mit Wasser verdünnt einnehmen. Bei Appetitlosigkeit ½ Std. vor dem Essen, bei Verdauungsstörungen ½ Std. nach dem Essen.
Enzian-Tinktur – Bitterstoffe für die Haut
Die gelbe Enzianwurzel gehört zu den bittersten Pflanzen Europas.
Sie enthält unter anderem den Bitterstoff Amarogentin, der für seine starke Bitterwirkung bekannt ist.
Neuere Forschungen zeigen, dass der Bitterstoff Amarogentin an Bitterstoffrezeptoren der Haut binden kann. Dadurch wird in den Hautzellen ein Prozess ausgelöst, der die Bildung von Proteinen und Lipiden anregt. Auf diese Weise kann die Hautbarriere gestärkt und entzündlichen Prozessen entgegengewirkt werden.
Enzianextrakt werden deshalb heute auch in medizinischer Kosmetik und Hautpflegeprodukten eingesetzt.
Wichtig:
Die gelbe Enzianpflanze steht unter Naturschutz und darf nicht wild gesammelt werden.
Für die Herstellung einer Tinktur wird daher getrocknete Enzianwurzel aus Apotheke oder Drogerie verwendet.
Für 50 ml brauchst du:
- ein 50 ml Schraubdeckelglas oder Apothekerglas mit Glasstopfen
- 10 – 15 g getrocknete Enzianwurzeln (am besten noch etwas zerkleinert, ein Cutter ist hier sehr hilfreich)
- 35 – 40 g 98% Alkohol
- Kaffeefilter
- 50 ml Braunglasflasche zum Aufbewahren
Herstellung:
- die feingeschnittene Enzianwurzel in das Schraubdeckelglas* geben
- mit dem Alkohol auffüllen
- unter täglichem Schütteln 2-3 Wochen ziehen lassen
- danach mit dem Kaffeefilter abfiltrieren
- in eine Braunglasflasche abfüllen und etikettieren (Herstelldatum angeben)
Haltbarkeit:
- die Tinktur ist bei dunkler Lagerung bei Raumtemperatur 5 Jahre haltbar.
Tipp:
- ich verwende hier ausnahmsweise 98% Alkohol, da die Studien auch mit dieser Konzentration durchgeführt wurden.
Wichtig:
- Die in den Deckeln von normalen Konfitüren Gläsern enthaltene Dichtungen sind nicht für Chemikalien wie 98% Alkohol geeignet. Daher das Glas bitte nicht schütteln sondern den Inhalt nur umrühren. Alternativ können Behälter mit einem Glasschliffstopfen verwendet werden.
Anwendung:
- Die fertige Tinktur kann in 0,3 – 1 % in selbstgemachte Hautpflege oder Cremes eingearbeitet werden.
Ingwer – Tinktur – stärkt das Immunsystem und wärmt
Mehr Infos und Rezept findest du hier
Q and A
Disclaimer
Die Informationen auf dieser Website wurden sorgfältig recherchiert und zu allgemeinen Informationszwecken bereitgestellt. Ich übernehme keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität der auf dieser Website enthaltenen Informationen.
Die Rezepte habe ich selbst an gesunder Haut erprobt, sie sind jedoch kein Ersatz für professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die Rezepte sind möglicherweise für Schwangere, Kleinkinder oder Allergiker nicht geeignet. Suche immer den Rat eines qualifizierten Arztes, wenn du Fragen zu einer medizinischen Erkrankung oder Behandlung hast. Das Verlassen von Informationen, die auf dieser Website bereitgestellt werden, im Hinblick auf gesundheitliche Entscheidungen ist rein auf eigenes Risiko der Leser.
Literatur
1. Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde, Ursel Bühring, 3. Auflage, Haug Verlag, Stuttgart 2011
2. Phytotherapie in Theorie und Praxis, at Verlag Aarau und München, 2022
3. Das grosse Buch vom Oxymel, Gabriela Nedoma, aesculus Verlag, www.oxymel.de
4. Bitterstoffe–von der traditionellen Verwendung bis zum Einsatz an der Haut

